Weidinger: »Die Wohnbauträger müssen kreativer werden.«3 min read

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ÖVP-Spitzenkandidat Andreas Weidinger greift ein heißes Eisen in der Stadt an: Er kritisiert die Vernachlässigung der Stadtteile und nimmt auch die Wohnbaugenossenschaften in die Pflicht. Von diesen verlangt er, den Menschen mehr zu bieten als lieblose Wohnblöcke.

Herr Weidinger, Sie kritisierten in einem Interview der Welser Zeitung der OÖNachrichten, dass die Stadtteile in Wels vernachlässigt werden. Wie kann man das ändern?

Indem man sich einmal dafür interessiert. Der Fokus liegt ja rein auf der Innenstadt. In Wirklichkeit nicht einmal auf der ganzen Innenstadt. Eigentlich nur von Stadtplatz bis KJ. Auch wenn man das Zentrum pflegen und verschönern muss, leben die meisten Welser doch in den Stadtteilen.

Aber alle Welser wünschen sich eine lebendige Innenstadt.

Das eine schließt das andere nicht aus. Man soll ja nicht die Innenstadt vernachlässigen, sondern sich auch um die Stadtteile kümmern. Und hier haben wir in Wels gewaltigen Nachholbedarf.

Welchen?

Sehen Sie sich doch die Stadtteile an, besonders die neu gebauten. Wir reden immer von einer lebendigen Innenstadt. Aber warum muss dann in den Stadtteilen die große Tristesse herrschen? Das wichtigste für die Menschen, mit denen ich rede, ist die direkte Umgebung. Das fängt an, wenn man von seiner Wohnung aus dem Fenster sieht.
Dann geht es weiter, mit dem Bäcker ums Eck und dem Gasthaus in der Straße oder dem Hausarzt im Grätzel. Sehen Sie sich doch die neuen Siedlungen an. Wo ist dort der Bäcker ums Eck, der zentrale Platz, die interessante Umgebung? Haus an Haus, militärisch aneinandergereiht und getrennt durch einen Grünstreifen, wo die Kinder meist eh nicht spielen dürfen. Oder schauen wir in den Osten der Stadt: Im Vergleich zur Neustadt oder der Vogelweide hat die Pernau keinen kleinen Ortskern. Wenn man dort wohnt, ist man ohne Auto verloren.Auch die Pernauer haben sich die Gedanken und Bemühungen der Stadtpolitik verdient.
Auch die Menschen in Laahen wünschen sich mehr Infrastruktur. In einer Stadt lebt man doch gerne, wenn man aus dem Fenster sieht und das geschäftige Treiben der Menschen beobachten kann. Wenn man auch in direkter Nachbarschaft Plätze zur Kommunikation hat.Gerade Corona hat gezeigt, wie sehr wir unsere zwischenmenschlichen Kontakte benötigen und wie schnell wir uns einsam fühlen können.

Also kurz gesagt: Die Stadtteile sollen auch etwas das Flair der Innenstadt bekommen?

Die Stadtteile sollen zentrale Plätze bekommen, die ähnlich der Innenstadt sind, ja. So wie zum Beispiel in der Neustadt. Aber es geht darüber hinaus. Ich würde sagen, man muss auf gut wienerisch „Grätzel“ schaffen. Die haben wir ja auch teilweise in Wels. Aber gerade in den Neubaugebieten fehlen diese.

Das liegt auch daran, dass man für Wohnen, Arbeiten und Einkaufen vollkommen getrennt baut.

Richtig. Es entstehen die berühmten Fachmarktzentren, die nur mit dem Auto zu erreichen sind. Und gewohnt wird dann wieder in einer separaten „Anlage“. Das macht die Viertel aber eintönig. Es wird nur dann spannend, wenn in einem Bau unterschiedliche Nutzungen vorhanden sind. Ein Supermarkt oder ein Küchenstudio muss nicht in eigenen Gebäuden untergebracht sein, sondern in das Erdgeschoß eines Wohnhauses integiert werden. Das würde erstens Platz sparen und auch den Autoverkehr etwas schwächen.

Ist nicht auch die Bauweise sehr eintönig geworden?

Diese Diskussion wird ja schon geführt. Aber hier kann ich mich nur anschließen. Wir Menschen sind individuell und die meisten möchten auch in einer individuellen Umgebung leben und keiner eintönigen. Auch die Anordnung der Gebäude ist, wie gesagt, nicht kreativ.

Wäre es nicht gleich gescheiter, in zentrumsnahen Lagen nachzuverdichten und die Baulücken zu füllen, anstatt am Rande der Stadt die Felder zuzupflastern?

Bemühungen gehen ja bereits in diese Richtung. Ich sehe aber gerade das Messegelände Ost als ideales Stadterweiterungsgebiet und Lebensraum für viele Menschen. Die alten Messehallen gehören abgerissen und ein neues Quartier sollte dort entstehen.