Wels

Weidinger: SPÖ und FPÖ sind die Extreme. Die ÖVP ist die gemäßigte Mitte.4 Min. Lesedauer

23. September 2021 3 Min. Lesedauer

Weidinger: SPÖ und FPÖ sind die Extreme. Die ÖVP ist die gemäßigte Mitte.4 Min. Lesedauer

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ÖVP-Spitzenkandidat Andreas Weidinger sieht sich und seine Partei politisch zwischen SPÖ und FPÖ angesiedelt. Er sagt: „Wir sind die gemäßigte Mitte.“

Herr Weidinger, auf Wahlplakaten wirken Sie oft wie ein strenger Law-and-Order-Politiker. Persönlich sind Sie aber ein sehr umgänglicher Mensch, der sehr differenziert denkt. Warum verkaufen Sie sich anders?

Finden Sie, dass ich auf Plakaten anders wirke? Natürlich stellt mein Wahlkampfteam meine Kernkompetenzen als Polizist in den Vordergrund. Und das ist eben Sicherheit und Verkehr. Das eine schließt aber das andere nicht aus: Ich war auch schon als Polizist immer sehr sachlich und glaube auch umgänglich. Weiters sehe ich mich auch als christlich-sozialen Politiker, ich komme ja auch vom Arbeitnehmerflügel (ÖAAB). Ich will Leute sowohl von SPÖ als auch von der FPÖ ansprechen und biete beiden eine gemäßigt Alternative. Ich trage keine rosarote Brille bei Integrations- und Sicherheitsproblemen wie die SPÖ, stehe aber auch klar gegen Einsparungen im Sozialbereich, wie es von der FPÖ betrieben wird.

Können Sie uns hier ein Beispiel geben?

Sogar mehrere: Die FPÖ hat bei den Stadtteilquartieren extrem eingespart, was zu einer weiteren Verwahrlosung vieler – besonderns migrantischer – Jugendlichen geführt hat. Aber auch bei der Seniorenbetreuung wurde gespart. Ich wäre hier viel sensibler vorgegangen.

In einem Fernsehduell haben Sie gesagt, in Wels gibt es keinen weiteren Platz mehr für Asylanten.

Ja, wenn man einen realistischen Blick auf die Gesamtsituation der Stadt Wels in Bezug auf dieses Thema hat, kann man nur zu einem Schluss kommen: Wir haben jetzt schon genügend Probleme mit der Integration. Wir müssen aufpassen, dass sich unsere Gesellschaft nicht vollkommen spaltet. Es ist auch im Interesse der schon hier lebenden Migranten, dass wir für keinen weiteren Zuzug sind. Eines will ich aber klar festhalten: Diejenigen, die sich gut integriert haben und sich positiv in unsere Gesellschaft einbringen, die sind mir lieber als jeder kriminelle Österreicher.

Hat denn die FPÖ das Integrationsproblem gut gelöst?

Sie hat es nicht im Ansatz gelöst. Es ist aber auch schwierig. Die FPÖ hat es aber den Menschen leichtfertig versprochen, alleine um Wählerstimmen zu generieren. Wenn man das Thema Integration ehrlich und sachlich angeht, dann gewinnt man damit keine Wahlen. Weil man weder die Rechten noch die Linken damit bedient. Man muss den Menschen Perspektive geben, die guten fördern und hart gegen die vorgehen, die uns nur ausnützen – also kriminell werden und noch aus unser aller Tasche leben. Das ist gelinde gesagt eine Frechheit und diese Leute sollte man auch nicht schützen.

Wie kann man denn die Guten fördern?

Naja, hier verbinden sich einige meiner Themen: Wir müssen eben auch wieder in die Stadtteile gehen, damit die Jugendlichen dort nicht verwahrlosen.

Hier muss es wieder mehr Angebote geben, das wurde sehr vernachlässigt.

Wie sehen denn solche Angebote aus?

Die Stadt Wels hat in jedem Stadtteil Flächen für soziale Treffpunkte. Diese müssen bespielt werden. Warum machen wir kein kleines Tonstudio in den Stadtteil-Quartieren, sodass junge Talente ihre Musik aufnehmen können und ihre Energie positiv nützen. Wir können nicht nur Sport als Angebot bieten, sondern müssen für mehr Interessensbereiche etwas schaffen. Natürlich benötigt man auch gutes und ausgebildetes Personal, welches Jugendliche aus schlechten Familienverhältnissen unterstützen kann und ihnen auch Halt gibt.

Auch Jugendliche mit bester Ausbildung und aus guten Familien sind nicht begeistert von Wels. Wenn sie einmal in anderen Städten studieren, bleiben sie meist auch nach dem Studium dort.

Ja, das ist ein großes Problem. Wels verliert auch seine gebildete Jugend – also seine zukünftige Elite – an die Großstädte. Wir werden nie das Angebot einer Großstadt bieten können. Aber wir können auch ein ansprechendes Kultur- und Gastronomieleben bieten, wenn wir es auch als Politik stark im Fokus haben. 

Ich gebe Ihnen ein kleines Beispiel: Das Soundtheatre in der Stelzhamerstraße war eine vollkommen private, aber weit über die Grenzen der Stadt bekannte Kulturinstitution. Die Stadt hat damals nichts unternommen, das Soundtheatre zu retten. Ein Nachbar hatte ja wegen Lärmbelästigung die Schließung durchgebracht.
Wir sollten als Stadt auch Gastronomen finanziell etwas unterstützen, die mit Live-Musik einen wichtigen Beitrag zum städtischen Kulturleben leisten.

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